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Leidenschaft fürs Laufen – mit Modupe Shokunbi

Die britische Sprinterin Modupe Shokunbi balanciert Arbeit und Studium und verfolgt nebenbei mit grossem Ehrgeiz ihre internationale Laufkarriere.

 

In Grossbritannien ist Modupe Shokunbi schon längst kein unbeschriebenes Blatt mehr und gehört seit Jahren zu den vielversprechendsten Sprinttalenten. 2013 war sie britische U15-Champion über 100 m. Jetzt studiert sie an der Brunel University, läuft für die Blackheath & Bromley Harriers und hat im Training neue Wege gefunden, um auf die COVID-19-Pandemie zu reagieren. Wir haben mit Modupe über den Stellenwert des Laufens in ihrem Leben und die Wichtigkeit von Disziplin und Community gesprochen.

 

Q&A mit Modupe Shokunbi

 

Modupe, wann und wie hast du das Laufen für dich entdeckt?

 

Bei einem Sportfest in der Schule. Ich war schneller als meine Klassenkameraden. Mein Lehrer sah Potenzial in mir und empfahl mir den örtlichen Leichtathletik-Club. Damals lief ich nur zweimal pro Woche. Nach meinem 14. Geburtstag wurde die Sache ernster. Meine Leistungen wurden immer besser und bei Wettkämpfen gewann ich meist. Das hat mich süchtig gemacht.

 

Hast du dich in das Laufen oder ins Gewinnen verliebt?

 

Ins Gewinnen. Ich war gut und wurde immer besser. Ich gewann Medaille um Medaille und verbesserte meine Zeiten stetig. Jedes Wochenende stellte ich eine neue persönliche Bestzeit über 100 m auf. So etwas macht süchtig.

 

Seitdem hat das Laufen einen festen Platz in deinem Leben. Was bedeutet es für dich?

 

Es ist fest mit meinem Leben verwoben und Teil meiner täglichen Routine. Es formt mein ganzes Leben. Wenn ich ins Fitnessstudio gehe oder Deadlifts oder Hang Cleans mache für mehr Kraft, dann tue ich das, um mich indirekt auch im Laufen zu verbessern. Ich wüsste gar nicht, was ich machen würde, wenn ich nicht laufen würde.    

 

 

Warum läufst du?

 

Vor allem bleibt man so fit und gesund. Aber ich bin auch ehrgeizig. Ich will mich verbessern, mein Land vertreten und bei grossen Events wie den Weltmeisterschaften dabei sein – entweder als Einzelläuferin oder als Teil einer Staffel.

 

Abgesehen davon bietet mir das Laufen einen Zufluchtsort. Wenn ich laufe, muss ich mich nicht mit Alltagsdingen beschäftigen. Ich studiere Finanz- und Rechnungswesen. Das Laufen ist eine Gelegenheit zum Stressabbau. Und da ich in einer Gruppe trainiere, die dasselbe Niveau und dieselben Ziele hat, bin ich Teil einer tollen Gemeinschaft.

 

Wie würdest du deine Beziehung zum Laufen beschreiben?

 

Sie ist definitiv nicht perfekt. In meinem Alter ist es nicht mehr so leicht, Wettkämpfe zu gewinnen. Ich weiss nicht, woran das liegt. Vielleicht an den Umständen, dem Alltag oder dem Stress an der Uni. Als ich jünger war, fiel es mir so viel leichter. Ich hätte nicht einmal trainieren müssen damals. Ich ging nie ins Fitnessstudio. Ein schnelles Warm-up hat gereicht. Jetzt gibt es viele Dinge, die sich auf unterschiedlichste Weise darauf auswirken, wie gut ich bin.

 

Spürst du immer noch dieselbe Begeisterung fürs Laufen, auch wenn du jetzt Ambitionen hast und nicht mehr einfach nur hobbymässig läufst?

 

Ja, ich habe immer noch Spass daran. Ich weiss, dass es sich auszahlen wird, wenn ich mir Mühe gebe. Ich habe grosse Ziele. Mein Coach nimmt immer alles auf Video auf, damit ich meine Leistung einschätzen und die Fortschritte sehen kann. Das ist eine gute Sache. So kann ich die Begeisterung hochhalten.

 

Wie hat sich die Ausbreitung der Corona-Pandemie auf dich ausgewirkt? Hat sich deine Beziehung zum Laufen im Jahr 2020 verändert?

 

Es war nicht leicht. Ich konnte nicht mehr mit meiner Gruppe trainieren. Ich habe zudem ein Praktikum für mein Studium gemacht. Anfangs ging ich noch jeden Tag arbeiten, aber dann kam dich Kurzarbeit. So habe ich dann morgens im Park in der Nähe trainiert und nachher über Zoom an Yoga-Klassen teilgenommen. Alle Interaktionen beschränkten sich nur noch auf die sozialen Medien. Das fand ich schwierig. Aber ich habe sehr viel über mich selbst und meine Trainingsweise gelernt.

 

Jetzt macht es mir nicht mehr so viel aus, Trainingseinheiten zu modifizieren, wenn ich nicht gut drauf bin oder mich nicht ganz gesund fühle. Ich bin unabhängiger geworden und frage nicht mehr ständig meinen Coach, was ich tun soll.

 

 

Hast du die Laufgemeinschaft durch das Jahr 2020 mehr zu schätzen gelernt?

 

Ja, auf jeden Fall. Wenn du allein trainierst, feuert dich niemand an, wenn es schwierig wird. Du bist allein mit deinen Kopfhörern. Ich weiss es wirklich zu schätzen, Teil einer Gruppe von Menschen zu sein, die mit mir trainieren und die meine Freunde sind.

 

Wie sieht ein typischer Lauf für dich aus?

 

Ich bin Sprinterin, darum variiert das extrem. An manchen Tagen dreht sich alles ums Tempo. Dann mache ich zum Beispiel zweimal vier 100-m-Sprints. An anderen Tagen geht es um die Beschleunigung auf den ersten Metern. Manchmal baue ich auch ein Training am Berg ein. Und nach jeder Einheit gibt’s zuhause entweder eine Gym- oder Circuit-Session.

 

Worüber denkst du beim Laufen nach?

 

Ich versuche, über gar nichts nachzudenken. Es geht nur darum, was ich in dieser Trainingseinheit schaffen will. Bei einem 100-m-Rennen hat man keine Zeit, über etwas anderes als die ersten Schritte, die Beschleunigungsposition und die Standposition nachzudenken.

 

Wie hilft dir das Laufen in anderen Bereichen deines Lebens?

 

Ich weiss, dass mich das Laufen gesund und körperlich stark macht. Aber es lehrt mich auch, meine Zeit einzuteilen und Disziplin zu haben. Manchmal laugt mich das Training völlig aus. Trotzdem muss ich dann zuhause noch lernen. Das erfordert viel Disziplin. Aber ich habe gelernt, alles zu erledigen, auch wenn ich müde bin.

 

Was würdest du zu jemandem sagen, der gerade mit dem Laufen anfängt?

 

Bleibe realistisch und lege deinen Fokus auf den Fortschritt. Du musst dir nicht sofort einen 10-km-Lauf vornehmen. Laufe erstmal täglich fünf Minuten und steigere dich dann auf 10 Minuten. Tue nichts, was dich wieder vom Laufen abbringt. Laufen stärkt dich mental und ist eine Art Therapie, um dir eine Auszeit vom Stress zu nehmen. Also bleib dabei und hab Spass daran.

 

Liebes Laufen,  

den heutigen Tag – und alle anderen – widme ich dir.

Seien es die guten Tage, an denen sich alles einfach und leicht anfühlt und ich das Gefühl habe, zu schweben.

Seien es die schlechten Tage, an denen es harzig ist und ich mental kämpfen muss.

Oder seien es einfach die Tage dazwischen.

Ich werde da sein. Und ich weiss, du wirst es auch sein.

Schon seit meiner Kindheit bist du Teil meines Lebens. Du hast mir alles geschenkt: Gesundheit, Stärke und sogar Freundschaften.

Du hast mich Dinge gelehrt, die mich für den Rest meines Lebens begleiten werden: Disziplin, Unabhängigkeit und Aufopferung.  

Unsere Reise geht weiter. Aus Tagen wurden Wochen, aus Monaten wurden Jahre und von der Laufbahn im Park ging es zur Laufbahn in einem vollen Stadion.  

Ich weiss nicht, wo wir am Ende landen. Diese Geschichte muss erst noch geschrieben werden. Unser Ziel liegt noch im Dunkeln.

Aber wir machen gemeinsam weiter.

Wir geben alles und werden besser.

Liebes Laufen, du fest mit meinem Leben verwoben.

Du als tägliches Ritual gibst meinem Dasein eine Struktur und lässt mich mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen.

Dafür werde ich dir ewig dankbar sein.

Danke.

Meine Schuhe sind geschnürt, das Ziel fest im Blick.

Los geht’s. Noch einmal. Und noch einmal. Und immer weiter.

 

Modupe

 

#DedicatedToTheRun

 

Modupe trägt die Weather Vest in Schwarz (in Kürze erhältlich), das Performance Long-T in Navy, die Tights 7/8 in Schwarz, die Low Sock in Midnight | Tan und den Cloudstratus in Navy | Dust

 

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