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Eine Hommage an die Legende Frederik Van Lierde

Er gehört zu den ganz grossen Ironman-Champions: Der gebürtige Belgier, Frederik Van Lierde, gewann fünf Mal den Ironman Nizza, den Ironman Lanzarote 2019 und 2013 die Ironman-Weltmeisterschaft in Kona. Acht Jahre gehört er bereits zum On Team. Jetzt hört Fred mit dem aktiven Wettkampfsport auf. Erfahre unten im Interview, wie es nun für ihn weitergeht.

 

Im Jahr 2013 stiess Frederik Van Lierde zum Team On dazu. Im selben Jahr wurde er in Kona Weltmeister über die Ironman-Distanz – auf Clouds. Eine Sensation, denn zu dieser Zeit war On (Gründungsjahr 2010) erst drei Jahre alt.

 

Es ist der guten Beziehung zu On-Mitbegründer Olivier Bernhard, der selbst ehemaliger Duathlon-Weltmeister ist, zu verdanken, dass Fred damals zur kleinen Schweizer Marke fand und schlussendlich mit Gold nach Hause fuhr. 

 

Inzwischen hat sich der 41-Jährige aus dem aktiven Triathlon-Wettkampfsport zurückgezogen. Wir haben uns mit dem Weltmeister zusammengesetzt, um auf seine erfolgreiche Karriere zurückzublicken und zu erfahren, weshalb er seine aktive Karriere an den Nagel gehängt hat. Vor allem aber wollten wir von ihm wissen, was er für die Zukunft plant.

  

 

On: Hi Fred, herzlichen Glückwunsch zu deiner unglaublichen Karriere. Warum ist jetzt der Augenblick gekommen, sich zurückzuziehen?

 

Fred: „Ich hatte eine grossartige Karriere. Offiziell habe ich mich bereits 2017 entschieden, dass ich aufhören werde. Ich plane gerne, deshalb habe ich schon damals mit meinen Hauptsponsoren gesprochen und einen Vertrag für drei weitere Jahre unterschrieben. Aber ich wusste: 2020 ist Schluss. Mental hat mir das geholfen, mich noch ein bisschen mehr zu pushen und etwas tiefer zu gehen.”

 

Ich bin glücklich über alles, was ich erreichen konnte. Es ist, als würde man ein Kapitel in seinem Leben abschliessen. Aber es kommt noch mehr.

 

Was wirst du am meisten am Profidasein vermissen? 

 

„Ich habe 23 Jahre lang Wettkämpfe bestritten, bin glücklich über alles, was ich erreicht habe und freue mich auf die Zukunft. Aktuell bin ich mit meiner Entscheidung zufrieden und froh, dass ein Teil des Drucks wegfällt. Aber vielleicht kommt der Moment, wo ich etwas vermisse, dann schon noch.

 

Unfälle oder Verletzungen werden mir bestimmt nicht fehlen. Aber diese Dinge bleiben eben am Schluss nicht in Erinnerung. Am Ende denkt man an die schönen Dinge und die tollen Beziehungen, die durch den Sport entstanden sind. Das ist das, was bleibt.“  

 

Du bist jetzt quasi im Ruhestand. Worauf freust du dich am meisten?

 

„Es fühlt sich noch nicht wirklich an wie der Ruhestand. Es gibt noch viel zu tun, zum Beispiel mit Triathlon-Organisationen, denen ich angehöre. In den nächsten Wochen wird es aber wohl ruhiger werden und ich werde mehr Zeit haben, um Sport zu treiben und mit meiner Familie zusammen zu sein.

 

Ich werde weiter laufen und Fahrrad fahren. Es ist nur der Wettkampfaspekt, der wegfällt.  

 

Während meiner aktiven Zeit war der Druck, immer in Form zu sein, schon sehr hoch und ich musste gelegentlich schwierige Entscheidungen treffen. Das ist jetzt vorbei und darüber bin ich erleichtert.“

 

Die Ausbreitung des Coronavirus hat dazu geführt, dass dein letztes Rennen nicht wie geplant in Nizza stattfinden konnte, sondern in deinem Heimatland. Wie hast du dich dabei gefühlt? 

 

„Zu Beginn der Saison hatte ich geplant, an sieben Rennen teilzunehmen. Am Ende wurden aber nur zwei Rennen durchgeführt. Ursprünglich war Nizza als Austragungsort für meinen letzten Wettkampf vorgesehen. Aufgrund der aktuellen Lage wurde dann aber zuerst der Termin verschoben und das Rennen schliesslich ganz abgesagt. So fand mein letzter Wettkampf also in meiner Heimatstadt Menen statt.

 

Es hat sich ein bisschen so angefühlt, wie nach Hause zu kommen. 

 

„Mehr als 15 Jahre bin ich für Wettkämpfe um die ganze Welt gereist. Symbolisch hätte es also keinen besseren Moment geben können.“

     

 

Du hast deins letztes Rennen gewonnen. Wie hat es sich angefühlt, die Ziellinie zu überqueren? Hast du sogar einen Moment daran gedacht, deine Entscheidung rückgängig zu machen?

 

„Wir haben alles sehr gut geplant. Und am Tag selbst war dann das Wetter fantastisch und es gelang mir ein tolles Rennen. Wir bekamen viel Aufmerksamkeit von den Medien und dem belgischen Fernsehen. Es war einfach ein grossartiger Tag mit insgesamt 550 teilnehmenden Athleten.

 

Nicht nur für mich war der Moment besonders, weil ich mein letztes Rennen absolvierte, sondern für alle Athleten, die da waren. Alle waren wirklich dankbar, dass nach so vielen Monaten der Unsicherheit wieder ein Wettkampf stattfinden konnte.

 

Aber dass ich mein letztes Rennen gewann, hat nichts an meiner Entscheidung geändert. Mit dieser bin ich nämlich absolut im Reinen. Emotional war alles trotzdem sehr aufwühlend. Meine Familie war vor Ort und hat mich beim Start mit ein  paar Tränen in den Augen unterstützt. Gleichzeitig musste ich mich natürlich trotz allem auch noch auf das Rennen konzentrieren.

 

Ich habe während des Rennens ein paar Mal den Fokus verloren, weil es in meiner Heimatstadt stattfand und so viele Bekannte kamen, um mich zu unterstützen. Es war etwas ganz Besonderes und klar: Im Ziel brachen dann die ganzen Emotionen über mich herein.“

 

Wie hat sich die Pandemie auf deine letzte Rennsaison ausgewirkt? 

 

„Es war natürlich enttäuschend. In der ersten Hälfte des Jahres 2020 habe ich nur trainiert und abgewartet, ob Rennen überhaupt stattfinden können würden. Aber das war nicht das Schwierigste an der ganzen Sache – denn Trainieren gehört ja zu meinem Job dazu und ich mache das gerne.

 

Aber mental war es hart. Im Frühling dachten alle, dass die Wettkämpfe für ein paar Monate ausfallen würden, aber ab Sommer alles wieder wie geplant weiterläuft. Dann war es August und es wurde erneut entschieden, dass Rennen verschoben werden. Ab dann wurde es ein mentales Spiel.“

 

Was nimmst du als Wichtigstes aus deiner Profi-Karriere mit? 

 

„Ich habe viel gelernt. Ich war erst gegen Ende meiner Karriere auf dem Zenit meiner Leistungsfähigkeit. 2008 fand ich heraus, dass mir die Ironman-Distanz besonders gut liegt. Davor bin ich auf olympischer Distanz und Mitteldistanz gelaufen. Ich hatte da einige gute Ergebnisse, die aber in keinem Vergleich zu meiner späteren Karriere stehen.“

 

Erst auf der Ironman-Distanz wurde mir klar, dass ich gut genug war, um mit den Besten der Welt mithalten zu können. 

 

Einige Athleten sind in jungen Jahren wirklich gut und bringen dort ihre besten Leistungen. Aber dann gibt es Sportler wie mich, die mit der Erfahrung wachsen, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen.“

 

 

Was war deine Lieblingsdisziplin: Schwimmen, Radfahren oder Laufen?

 

„Diese Frage wird mir tatsächlich ziemlich oft gestellt. Es gibt viele Athleten, die sagen, dass sie eine Disziplin bevorzugen. Aber als ich in Hawaii gewann, hatte ich die viertbeste Schwimmzeit, die viertbeste Radzeit und die viertbeste Laufzeit. Ich bin also in allen Disziplinen gleich gut. Es kommt wirklich auf den Tag an.

 

Jetzt, da ich mich aus dem aktiven Wettkampfsport zurückgezogen habe, werde ich wohl nicht mehr so oft schwimmen. Ich komme aus dem Wettkampf-Schwimmen und habe einen Grossteil meiner Trainingszeit im Pool verbracht. Laufen und Radfahren sind sozialere Sportarten und man kommt mehr herum.“

 

Welche Botschaft möchtest du jungen Triathleten, die in deine Fussstapfen treten wollen, auf den Weg geben?

 

Sei geduldig. Umgib dich mit guten Leuten. Und glaube an dich.

 

„Es gibt immer Jahre, in denen es besser läuft als in anderen. Ich habe 2013 auf Hawaii gewonnen, aber das bedeutete nicht, dass ich danach alle anderen Wettkämpfe auch gewonnen hätte – so ist der Sport. Jedes Mal, wenn du an den Start gehst, wird die Uhr auf Null zurückgedreht und alles beginnt nochmals von vorne.“

 

Was waren die drei grössten Momente in deiner Karriere? Wir nehmen an, der Sieg in Kona gehört auch dazu, oder?

 

„Selbstverständlich. Im Jahr zuvor war ich in Kona Dritter. Der Druck, zurückzukommen und den Sieg zu holen, war also da. Wenn ich im Jahr zuvor nicht auf dem dritten Platz gelandet wäre, hätte ich wohl nicht geglaubt, dass es möglich ist, zu siegen. Ich musste also stark im mentalen Bereich meiner Wettkampffähigkeit arbeiten.

 

Du musst sowohl deine Psyche als auch deine Physis vorbereiten, um gewinnen zu können. Gerade, um in einem grossen Rennen abräumen zu können, ist die mentale Vorbereitung wichtig. Es sieht viel einfacher aus, als es ist. 

 

In Nizza gewann ich fünf Mal. Das ist eine meiner Lieblingsstrecken und sie liegt mir auch besonders gut. Ich liebe die Rennen in Frankreich. Menschen und Atmosphäre sind anders als in anderen Teilen der Welt. Nizza ist eines der ältesten Ironman-Rennen – ein wahrer Klassiker. Ich bin wirklich stolz darauf, dass ich dort fünf Mal gewinnen konnte.

 

2019 auf Lanzarote zu gewinnen war auch etwas ganz Besonderes. Es war mein Geburtstag. Ich wurde nicht nur 40 Jahre alt an diesem Tag, sondern gewann obendrauf noch einen grossen Ironman.“

     

Die Geschichte hinter dem Bild des blutenden Champion
Bei seinem 4. Ironman-Sieg in Nizza stellte Fred unter Beweis, was es heisst, am Renntag für alles bereit zu sein.
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Du hast lange Zeit eng mit deinem Coach Luc Van Lierde zusammengearbeitet. Wie war das? 

 

„Ich denke, es ist gut, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die dich und deine Situation als Profisportler gut verstehen. Wenn Leute da sind, die dich unterstützen und dir bei Bedarf Ratschläge geben können, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass du Erfolg haben wirst.“

 

Ein Team um dich herum zu haben, ist enorm wichtig.

 

Luc hat 1996 und 1999 auf Hawaii gewonnen. Das heisst, er weiss wirklich, was es braucht, um zu gewinnen.“

 

Belgien hat viele grossartige Triathleten hervorgebracht. Auch Bart war in Menen, deinem letzten Rennen, am Start. Wie war das, nachdem ihr so viele Jahre in Konkurrenz zueinander gelaufen seid?

 

Bart Aernouts und Peter Denteneer stehen jetzt an der Spitze der Ironman 70.3-Rennserie. Tatsächlich war es so, dass sie auf mich warteten, damit ich die Ziellinie als Erster überqueren konnte. Das war eine wirklich tolle Geste von den beiden. Sie hatten noch etwas mehr Reserven übrig als ich.

  

Foto von David Pintens

 

„An diesem Tag wären wir alle drei ganz oben auf dem Treppchen gestanden – einfach in einer Reihenfolge. Es war ein richtiger Wettkampf, aber am Ende ging es nicht darum, wer gewinnt. Sie haben mir einen grossartigen Abschied bereitet und echten Sportsgeist bewiesen.“

 

Wir haben Bart gebeten, uns etwas über diesen Tag und das gemeinsame Rennen zu erzählen…

       

 

 

Fred war als Athlet immer eine sehr grosse Inspiration für mich und viele andere Belgier. Ein Exempel für einen hart arbeitenden und bescheidenen Champion! Er war nicht nur ein Champion, sondern nahm sich auch immer Zeit für seine vielen Fans. Persönlich werde ich mich immer an die tolle Zeit, die wir jedes Jahr zusammen im Trainingslager in Font-Romeu verbracht haben, erinnern. Und natürlich wird mir unser Kampf beim Ironman Nizza 2013 in Erinnerung bleiben. Für uns beide war dies eines der besten Rennen unserer Karriere. Ich war Zeuge vieler seiner besten Rennen: Sein dritter Platz beim Ironman Melbourne 2012, sein dritter Platz auf Hawaii 2012, sein Sieg beim Abu Dhabi Triathlon 2013 und natürlich sein Triumph in Kona im selben Jahr. Ich bin glücklich darüber, dass ich in diesem ganz besonderen Jahr 2020 die Chance hatte, beim letzten Rennen seiner Karriere in seiner Heimatstadt Menen dabei zu sein. Es war ein grossartiger Tag und es ist mir eine Ehre, so viele einzigartige Momente und gemeinsame Jahre im Rennsport mit ihm teilen zu dürfen.

– Bart Aernouts

 

 

Du bist zum Team On gestossen, als die Marke und das Unternehmen On noch viel kleiner waren als heute. Was hat dich damals dazu motiviert?

 

„Es war eine fantastische Erfahrung. Natürlich hat meine Beziehung zu Olivier meine Entscheidung damals stark beeinflusst. Als ich bei On unterschrieb, kannte niemand die Marke.

 

In Kona 2012 belegte ich den dritten Platz in einem Schuh eines anderen Sponsors. 2013 war Olivier vor Ort und stellte mir den Cloudracer in einer Sonderfarbe vor.

 

Olivier hat mich während des gesamten Marathons auf seinem Fahrrad begleitet. Ich war zuerst vierter, konnte mich dann auf den dritten und zweiten Rang vorarbeiten und lief schliesslich als Sieger ins Ziel ein. Olivier drehte durch! Aber ich hatte von Beginn weg das Gefühl, dass er wusste, dass ich gewinnen könnte. Und das machte es so einzigartig.“

 

Du bist seitdem eine Schlüsselfigur für das Team On. Wie würdest du diese Partnerschaft beschreiben? 

 

„Ich liebe die Zusammenarbeit mit On. Das Unternehmen richtet sich stark an den Athleten aus. Aber auch in Zukunft, wen ich keine Rennen mehr laufen werde, werde ich weiterhin mit der Marke zusammenarbeiten.“

 

Halte deine Augen offen.

 

Du hast als Athlet mitbekommen, wie On in den letzten Jahren stetig gewachsen ist. Wie war das für dich, der beinahe seit Beginn dabei ist?

 

„Es ist wirklich unglaublich zu sehen, was sich seit 2013 alles verändert hat. Wenn ich heute in den Schuhen laufe, dann erkennen die Leute den Brand. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu damals.“

 

Und was macht Frederik Van Lierde als nächstes?

 

„Ich bin seit 2004 bei der belgischen Armee. Es gibt da eine spezielle Division für Profisportler. Da ich damals bei der U23-Europameisterschaft Zweiter wurde, wurde ich aufgenommen. Insgesamt arbeiten 22 Profi-Athleten für das Programm und schauen, dass der Sport in den Medien positiv wahrgenommen wird.

 

Jetzt, da ich nicht mehr aktiv bin, werde ich die Managerfunktion für alle Profisportler in der belgischen Armee übernehmen. Zuerst muss ich nun aber 9 Monate militärische Ausbildung absolvieren, damit ich danach Offizier bin.“ 

 

In jeder Sportart geht es ums Gewinnen und Verlieren und den Umgang mit Verletzungen. Ich denke, dass ich jüngere Sportler in diesem Bereich dank meiner Erfahrungen unterstützen kann.

  

Der Cloudflow
Freds On-Schuh der Wahl für Training und Wettkampf.
Zum Schuh

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