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Im Kopf eines Ironman

Hinter den Kulissen des Ironman Zürich 2017: Lokalmatador Ruedi Wild verrät uns, was auf den verschiedenen Etappen des Rennens im Kopf eines Profis vorgeht – und wie er Hochs und Tiefs dieses unglaublichen Events erlebt.

Letzte Momente vor dem Start"

Eine Mischung aus Anspannung und Vorfreude auf den kommenden Tag. Konzentration auf die letzten Details und einen optimalen Start, damit ich von Anfang an in der ersten Gruppe mitschwimmen kann. Dies ist insofern äusserst wichtig, da es mir in der Folge viel wertvolle Energie einsparen kann. Ich bin meist nicht mehr sonderlich nervös unmittelbar vor dem Start und kann die spezielle Stimmung sogar etwas wie geniessen! Dies ermöglicht mir auch, mich aufs Wesentliche zu konzentrieren und die richtigen Entscheide zu treffen, statt unnötige emotionale Energie zu verpuffen oder mich über gewisse Dinge aufzuregen.

 

Alle Bilder sind am Ende des Artikels in voller Grösse zu sehen

 

Endlich gehts los! Die erste Boje ist gut überstanden und ich konnte mich in der gut 8 köpfigen Leadergruppe etablieren. Leider eher etwas am Ende, was vor allem dann ein Nachteil ist, wenn sich die Gruppe unerwartet aufsplitten sollte bzw. jemand reissen lässt und ich dann nicht mehr reagiereren kann (so geschehen die letzten 200m, wo sich der späte Sieger vorentscheidend absetzten konnte).


Auf der anderen Seite hätte es wiederum zusätzliche Energie gebraucht, kurze Zeit aus dem Wasserschatten zu schwimmen und mich weiter vorne einzureihen.

 

 

Eine der High Speed Passagen auf dem Kurs. Kurz vorher ab ca. km 120 fühlten sich meine Beine plötzlich schwer an und auch mental hatte ich einen Durchhänger. In der Folge musste ich auch Mitfavoriten Ronnie und Jan ziehen lassen. Die mental wohl herausfordernste Situation vom ganzen Tag! In diesen Momenten entscheiden sich die Wettkämpfe, vor allem auf der langen Distanz – entweder man nimmt die Herausforderung an und findet die passende Antwort bzw.

 

Lösung, oder man gibt im Kopf nach und der Wettkampf wird dann meistens nur mittelmässig erfolgreich. Ich meisterte die Krise, indem ich mich zunächst gut verpflegte und nacher wieder neu motivierte.

Ich rief mir ins Bewusstsein, dass der Tag noch lange dauern würde und damit noch nichts verloren ist. Auch meine Konkurrenten würden schliesslich noch harte Momenten überstehen messen."

 

Einer der Momente, wo es praktsich von selbst geht! Die Stimmung war toll und es ist extrem motivieren, so viele bekannte Gesichter am Streckenrand zu sehen. Der Lärm war ohrenbeteubend - Heimvorteil pur!

Ich nahm mir vor, im Aufstieg nicht zu fest zu überpacen, denn dies würde sich wiederum negative auf die Laufleistung auswirken."

Die Aufnahme entstand rund 10km vor dem Wechsel aufs Laufen. Vorher hatte ich eine kleinere Krise zu durchleben aber ab diesem mentalen Kick drehte der Schalter auf die andere Seite – ich schöpfte neue Kraft und Zuversicht. Von da an orientierte ich mich nur noch nach vorne!

 

 

Volle Konzentration beim Wechsel aufs Laufen. Es ist wichtig, dass die Socken und der Schuh perfekt sitzen, ansonsten bilden sich bald Blasen, die einen mit zunehmender Dauer behindern. Lieber investiere ich hier die eine oder andere zusätzliche Sekunde. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich mit einem guten Lauf noch alle Chancen nach vorne habe. Dazu muss ich jedoch geduldig sein und der Versuchung wiederstehen, zu schnell anzulaufen und Zeit gutmachen zu wollen.
 

Für jeden wichtigen Wettkampf benütze ich wieder einen neuen Laufschuh. Nach längerem Suchen für meinen perfekten Wettkampfschuh für die Mittel- und v.a. Langdistanz bin ich Anfang Jahr auf den Cloudflow gestossen, nachdem ich dutzende andere Marken und Schuhtypen ausprobiert habe. Von Anfang an war ich begeistert – ein leichter, äusserst bequemer, reaktiver aber gleichzeitig gut dämpfender Schuh. Das er noch toll aussieht, ist auch nicht weiter schlimm.

 

 

Beim Laufen war ich sehr konzentriert und versuchte, regelmässig meine vorgenommene Pace zu laufen. Etwas zu schnell und ich würde später auf dem zweiten Teil des Marathons den Preis dafür bezahlen müssen. Die Geschwindigkeit fühlt sich für mich ziemlich langsam an, da es auf der Mitteldistanz deutlich schneller zu und her geht. Die Verlockung ist gross, mal einen Gang höher zu schalten.

 

 

Der schönste und emotionalste Moment beim Ironman – der Zieleinlauf! Gleichzeitig auch eine Art der Erlösung von diesem dumpfen Dauerschmerz, der einen den ganzen Tag über begleitet und zuletzt immer intensiver wird. Damit auch die innere Stimme, die wiederholend sagt, doch etwas Tempo rauszunehmen.

Die Anstrengung ist für diesen Moment völlig vergessen und Endorphine durchfluten den Körper. Wenige Minuten später fühlte ich mich jedoch ziemlich elend ;-)"

In den Jahren zuvor habe ich diese Stimmung jeweils als Zuschauer erlebt, als meine Kollegen eingelaufen sind. Gänsehautstimmung pur und extrem motivierend, auch selber mal hier am Heimrennen in Zürich am Start zu sein.

 

 

Hier realisiere ich langsam die Anstrengung des Tags, weil der Endorphinschub vom Zieleinlauf nachlässt. Ich fühle immer noch die Freude, aber langsam spüre ich meinen Körper, Erschöpfung. Das ist der Moment, in dem ich am liebsten zurück ins Bett würde, oder einfach Zeit mit meinen Liebsten verbringen würde. Stattdessen geht es weiter zu Interviews; ich rede über nächste Ziele, anstehende Wettkämpfe. 

Und trotzdem: Ich liebe das alles. Ich habe Jahre hart gearbeitet, um heute hier zu sein; genau, wo ich sein will. Und ich kann nicht anders als lächeln, wenn ich daran denke, wie ich früher den Ironman Zürich als Zuschauer gebannt verfolgt habe - und heute selbst auf dem Podium stehe. 

 

 

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