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Schicksal, Bestimmung und Ultradistanz: Das ist die Geschichte von Edson Kumwamba

Als er neun Jahre alt war, sagte Edson Kumwamba's Mutter voraus, dass er eines Tages in Europa rennen würde. Nach ihrem Tod fragte er sich, ob ihr Traum jemals wahr werden würde. Das ist die Geschichte von Edson Kumwamba oder wie ein siegreiches Lächeln und ein unerschütterlicher Geist einen Schweisser aus Malawi an den Start auf dem Mont Blanc brachten.

 

Es ist ein warmer Sommernachmittag in Zürich. Wie immer nach einem Mittagslauf klatscht man sich vor dem On-Hauptquartier ab. Dies war jedoch nicht irgendein Mittagslauf. Wir schnappen nach Luft, ehe wir die Energie aufbringen, uns gegenseitig zu gratulieren. Es war ein harter Run. Einige von uns laufen gebückt. Das passiert nicht immer - schliesslich ist das ein Mittagslauf und kein Rennen. Aber was diesen Lauf wirklich besonders macht, ist der Gast, der heute mit am Start war. Elite-Trailrunner Edson Kumwamba ist zu Besuch in Zürich – und das nur wenige Tage nachdem er den 90 Kilometer langen Marathon du Mont Blanc gelaufen ist. Edson aber atmet nicht schwer. Er schwitzt nicht einmal. 

 

Die Route führte uns auf den Uetliberg, den Zürcher Hausberg. Vom Büro bis zum Gipfel sind es 15 Kilometer und fast 500 Höhenmeter. Ein solider Mittagslauf, nach allen Regeln der Kunst. Edsons Urteil? „Es war nett. Ein bisschen flach.“

 

Für Edson sind solche Mini-Abenteuer keine Herausforderung. Das überrascht nicht, wenn man bedenkt, wie viel es für ihn gebraucht hat, um da zu sein, wo er heute ist. Nicht nur als Ultraläufer, sondern während seines gesamten Lebens hatte er viele Höhen und Tiefen zu überwinden.

 

Edson als Teilnehmer des Marathon du Mont Blanc 2019


Auf der Jagd nach Coca-Cola

Edson ist in Nchatu, ein Dorf im Schatten von Malawis Berg Mulanje, geboren und aufgewachsen. Im Gegensatz zu vielen seiner Kontrahenten an der Startlinie am Mont Blanc war organisiertes Sporttraining nicht Teil seiner Kindheit. Der Grundstein für seine Fitness wurde im Alter von vier Jahren gelegt – die Zeit, in der er begann, auf dem Schulweg hin und zurück insgesamt 16 Kilometer zurückzulegen.

 

Als Edson 9 Jahre alt war, fand seine Mutter, dass er nicht aktiv genug ist – das obwohl er täglich fast eine Halbmarathon-Distanz zurücklegte. Heute – nur wenige Tage nachdem er bei einem der härtesten Ultramarathons der Welt den 18. Platz belegt hat und wir im On Office relaxt (und nicht mehr ausser Atem) seine Lebensgeschichte Revue passieren lassen – mag das ironisch klingen.

 

Um seine Begeisterung für den Sport zu wecken, schlug Edsons Mutter vor, sich den Porters‘ Race auf den Mulanje anzusehen. Dieser 22 Kilometer lange Trail Run war damals Gepäckträgern vorenthalten, die auf den wilden Wanderrouten Touristengepäck auf den Mulanje hochschleppten. An der Ziellinie sah Edson, dass die Finisher zur Belohnung eine Coca-Cola erhielten. Das wollte er auch.

 

„Damals war es nicht einfach, eine Coca-Cola in Malawi zu bekommen. Mein Interesse war geweckt, ich war inspiriert und sagte mir, dass ich eines Tages auch hier stehen wollte – mit einer Coca-Cola in der Hand.“

 

Der Plan seiner Mutter hatte funktioniert. Als sie sah, dass Edsons Neugier geweckt war, versprach sie ihm, dass auch er den Lauf im folgenden Jahr bestreiten dürfe. Allerdings inoffiziell – denn Edson war weder Gepäckträger noch volljährig und damit in zweifacher Hinsicht nicht für das Rennen zugelassen.  

 

Die Mutter hielt ihr Wort. In einem Busch versteckt, wartete Edson ein Jahr später auf das Signal der Startpistole, um sich danach unbemerkt in die Wettkampfgruppe einreihen zu können. Tatsächlich schaffte er es an der Rennleitung vorbei. Doch das Rennen wurde zu einer nervenaufreibenden Erfahrung für den jungen Edson. Das Gelände war unerbittlich. Und Edson rann ohne Schuhe. Aufgeben war für ihn trotzdem keine Option. Als er sieben Stunden später das Ziel am Fusse des Berges erreichte, hatte der Sieger das Ziel schon seit über vier Stunden erreicht und die Preisverleihung war längst beendet. Keine Chance für Edson, noch eine Flasche Coca-Cola zu ergattern. Aber Edsons Mutter stand immer noch da und erwartete ihren Sohn.

 

„Sie sagte zu mir: ‚Nächstes Jahr gehst du wieder hin. Und eines Tages wirst du in Europa laufen.‘ Sie hatte mein Potenzial erkannt.“

 

Und Edson ging wieder. Jahr für Jahr schlich er sich als Teenager ins Rennen - jetzt mehr durch die Herausforderung und die Prophezeiung seiner Mutter angetrieben als durch die Coca-Cola.

 

 

Trails und Trübsale

Als Jugendlicher zog Edson zu seinem Onkel in das nördliche Kalunga. Dieser kam für das Schulgeld auf, welches seine Mutter nicht zu zahlen vermag. Da es in dieser Gegend kein Rennen gab, über welches sich Edson hätte freuen können, begann er Fussball zu spielen. Als er 17 Jahre alt war, erhielt er eine schreckliche Nachricht aus seiner Heimat: Seine Mutter war gestorben. Plötzlich war Edson ein Waisenkind, denn auch sein Vater war bereits früh verstorben. Für die Beerdigung kam er zurück nach Hause. Einsam wie er sich fühlte, sehnte er sich nach Vertrautheit und wollte nicht mehr zurück nach Kalunga.

 

Glücklicherweise bekam er Hilfe von einer Organisation für Waisenkinder in Mulanje. Sie unterstützte ihn, seine Ausbildung weiterzuführen und die nötigen Qualifikationen als Schweisser zu schaffen. Schliesslich gelang es Edson ,über einen Kontakt eine Anstellung in Südafrika zu finden. Er ergriff die Chance – mit dem Plan, so viel Geld zu verdienen, dass er irgendwann seine eigene Werkstatt in Malawi eröffnen können würde.

 

Die Ankunft in Südafrika verlief dann allerdings anders als geplant: Er bekam kein Visum für seine Arbeit als Schweisser. Um über die Runden zu kommen, nahm er einen Job als Gärtner an. Es war diese seltsame Wendung des Schicksals, die Edsons Laufkarriere neu entfachen sollte.

 

Von harten Zeiten zu schnellen Zeiten

Als ein Kunde eines Tages bemerkte, dass Edson Laufschuhe trug, fragte er ihn, ob er ein Läufer sei. Ich sagte nur: ‚Nein. Nicht mehr.‘ Die Strassen in Südafrika waren zu belebt und zu gefährlich, um dort zu laufen.“ Als der Kunde ihm dann vorschlug, zusammen einen Lauf in den Bergen zu machen, war Edson begeistert.

 

„Als er den Berg erwähnte, kam die Erinnerung an meine Mutter zurück und wie sie damals mit mir zum Mulanje ging. Für mich war klar, dass ich da mitmachen wollte.“

 

Als er Edsons Geschick beim Erklimmen des Berges sah, bot ihm sein neuer Lauf-Buddy an, ihn zu einem lokalen Rennen mitzunehmen: Den 22 km Lion's Head Challenge. Zum Start des Rennens kamen sie dann zu spät. Alle waren bereits losgerannt, aber die Organisatoren liessen Edson trotzdem noch starten. Obwohl das Feld bereits einen Vorsprung von 15 Minuten hatte, erreichte Edson das Ziel als Sechster. Der Bann war gebrochen. Ab diesem Moment, hörte Edson nicht mehr auf zu laufen und es dauerte nicht lange, bis er sich in der Trail-Running-Szene Südafrikas einen Namen gemacht hatte.

 

Nachdem er bei einigen kürzeren Rennen das Podest erreicht hatte, beschloss er, die Distanz zu erhöhen und meldete sich 2015 für den Peninsula Ultra Fun Run (Puffer) an. Das 80 Kilometer lange Ultra-Trail-Rennen führt von der Spitze der Halbinsel bei Cape Point bis nach Kapstadt. Dass Kumwamba dieses Rennen bestreiten wollte, sorgte bei seinen Konkurrenten für einige Skepsis.

 

„Sie sagten, dass ich meinen Körper töten werde und nie wieder laufen werde können. Doch ich entgegnete nur, dass ich bereits im Alter von 10 Jahren 24 Kilometer gelaufen sei und das schon hinbekommen würde.“

 

Und Edson bekam es hin. Tatsächlich war es nicht sein Körper, sondern seine Navigationsfähigkeit, die ihm bei seinem Ultra-Debüt zum Verhängnis wurde. Weniger als 10 Kilometer vor dem Ziel, lag er auf dem zweiten Platz – und bog dann falsch ab. Als er auf die Strecke zurückfand, musste er aufholen und wurde schliesslich Vierter.

 

Weil er sein Umfeld vermisste, zog es ihn später nach Malawi zurück. Dort begann er, ernsthafter zu trainieren. 2016 kehrte Edson für das Puffer-Rennen zurück nach Südafrika. Wieder war die Navigation und nicht die Ausdauer sein ärgster Feind: Nach einer dreitägigen Fahrt von Malawi nach Südafrika, verpasste Edson den Start des Rennens um 15 Minuten – und wurde disqualifiziert. Während andere wütend geworden wären, akzeptierte Edson die Situation. Ganz allgemein scheint es so, als hätte Kumwamba die bemerkenswerte Fähigkeit, Dinge so zu akzeptieren wie sie sind. Wütend oder gestresst? Nicht bei Edson. Man kann ihn sich kaum anders vorstellen als ruhig und relaxt.

 

In dieser Situation trat ein lokaler Geschäftsmann an ihn heran. Er hatte mit Kumwamba Grosses vor: 2017 sollte er das Puffer-Rennen gewinnen. Er bot ihm einen Job bei einer Firma an, die Stossdämpfer herstellt, um sich so das Training zu finanzieren. Edson nahm das Angebot an. Und tatsächlich gewann er im darauffolgenden Jahr das Rennen. Nur fünf Tage danach konnte er auch die 44 km Table Mountain Challenge für sich entscheiden. Edson war endlich angekommen.  

 

Im Zielgelände des Table Mountain Challenge kam die Holländerin Suzette von Broembsen auf Edson zu. Sie belegte bei den Damen den zweiten Rang und hatte nur wenige Tage zuvor ein Interview mit Kumwamba gelesen, in welchem er sagte, dass es sein grösster Traum sei, die Prophezeiung seiner Mutter zu erfüllen und ein Rennen in Europa zu laufen. Genau das wollte Suzette ihm ermöglichen.

 

Edson gibt Vollgas – auch an einem heissen Tag in den Alpen

 

Von Malawi zum Mont Blanc

Und tatsächlich: Mit der Hilfe von Suzette steht Edson 2018 an der Startlinie des 90 Kilometer langen Marathon du Mont Blanc. Es ist eines der prestigeträchtigsten Rennen der Welt. Auch wenn die staubigen Pfade des Mulanje stark von denen in den schneebedeckten Alpen abweichen, fühlte sich Edson im Europäischen Gebirge pudelwohl und erreichte bei seinem Debüt in Europa den bemerkenswerten 20. Rang.  

 

Anstatt nach Südafrika zurückzukehren, reiste Edson anschliessend direkt nach Malawi. Trotz müder Beine vom anstrengenden Lauf in den Alpen, war Edson hochmotiviert rechtzeitig für den Porter’s Race am Mulanje einzutreffen. 

 

„Ich wollte dieselben Emotionen spüren, wie damals als mich meine Mutter zum Mulanje führte“, erklärt Edson. „Ich war das Rennen schon oft gelaufen, aber meine Mutter hatte mich nie mit einer Startnummer laufen sehen. Jetzt wollte ich zum ersten Mal offiziell starten.“

 

Fast 20 Jahre nachdem seine Mutter ihn zum ersten Mal ermutigt hatte, den Porter's Race zu bestreiten, lief ihn Edson nun als offizieller Teilnehmer. Er beendete das Rennen auf dem 14. Rang – aber die Platzierung war in diesem Fall völlig nebensächlich.

 

„Ich habe nicht am Wettkampf teilgenommen, um mich zu messen, sondern um den Geist meiner Mutter zu spüren. Ich wollte die Freude, welche sie hatte, als ich den Mulanje zum ersten Mal bezwang, nochmals erleben.“

 

„Wenn immer ich heute renne, fühle ich diese Emotionen. Deshalb sieht man mich auf Bildern, die mich beim Rennen zeigen, immer mit einem Lächeln. Es ist das Lächeln, welches ich meiner Mutter zurückgebe. Wenn ich ein Rennen beende, begrüsse ich im Ziel immer die anderen Finisher – genau wie es meine Mutter getan hatte, als ich damals mit 9 Jahren das Ziel erreichte und kein anderer mehr da war, ausser sie.“

 

Spirituelle Fitness

Seither haben Edsons High Fives – inzwischen sein Markenzeichen – schon manchen Finisher im Zielgelände begrüsst. Und das nicht nur in Südafrika, sondern weit darüber hinaus.
 

Kumwamba kehrte an den Lion’s Head Challenge zurück – sein erstes offizielles Rennen – und gewann. Auch das Puffer-Rennen konnte er erneut für sich entscheiden und stellte gleich noch einen neuen Streckenrekord auf.

 

Ermutigt, sich neuen Herausforderungen zu stellen, zog Edson zurück nach Malawi, um dort seine Entwicklung als Läufer weiter voranzutreiben. Um ein furchtloser Läufer zu werden, benötigte er eine Umgebung, in der er sich nicht zu fürchten brauchte.

 

„Das Leben in Südafrika hat mich beim Laufen sicher beeinflusst. Es ist dort nicht immer sicher, hinauszugehen und draussen zu laufen“, erklärte Edson.

 

„Einmal hielt man mir eine Waffe an den Kopf und klaute mir meine Sachen. Deshalb kehrte ich nach Malawi zurück. Da gibt es zwar nur wenig Geld, aber dafür führe ich ein friedvolles Leben.“

 

„Ich brauche diesen Frieden und sehe meine spirituelle Fitness als meine grösste Stärke. Die Gedanken, die mir durch den Kopf gehen, wirken sich auf meinen Körper aus. Wenn du an Schwäche glaubst, wird dein Körper dieser Schwäche folgen. Wenn du weit oben rennst und an den Fall denkst, dann kannst du fallen. Es geht immer um dein Herz und um deinen Verstand. 

 

„Das Wichtigste für mich ist Glück. Wenn immer ich an einem Rennen teilnehme, denke ich nicht daran, mit zu messen, sondern daran, wie glücklich ich während des Rennens sein werde.“

 

Neben seiner positiven Grundhaltung zählt Edson auch sein einfaches Leben zu den Schlüsseln seines Erfolgs. Bevor die nassen Wintermonate kommen, pflanzt er auf seinem Bauernhof Getreide an und ist glücklich darüber, wenn die Ernte genügend Nahrung abwirft, um sich davon ein ganzes Jahr zu ernähren. Nach der morgendlichen Arbeit auf dem Hof, kann er seiner Leidenschaft nachgehen und seine Läufe auf den Mulanje-Trails absolvieren. Seine Trainingseinheiten misst er nicht in Form von Distanz, sondern nach Zeit. Sechsstündige Sessions sind dabei keine Seltenheit.

 

Über die letzten Jahre hat Kumwamba nicht nur sein Training laufend optimiert, sondern sich auch ein Netzwerk in der Trail-Running-Szene aufgebaut – so, dass er sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen konnte. 2018 etwa erhielt er eine Einladung zum Al Marmoon Ultramarathon in Dubai. Dieser führt während vier Tagen entlang 270 Kilometer durch die Wüstendünen in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

 

Für Edson war es ein einmaliges Ereignis und mit nichts vergleichbar, was er je erlebt hat: „Jedes Mal, wenn du deinen Fuss aufsetzt, verschwindet der Boden einfach unter dir.“

 

Am letzten Tag hatte Edson durch den Sand in den Schuhen so viele Blasen an den Füssen, dass er kaum mehr gehen konnte, geschweige denn die letzten 50 Kilometer hätte laufen können. Doch er hörte erst auf die Bitte des Veranstalters, das Rennen aufzugeben, als er ihm versprach, dass er auch im kommenden Jahr wieder an den Start gehen könne. Es war das erste Mal, dass Edson ein Rennen nicht beenden konnte.

 

„Es war das erste und das letzte Mal, dass ich ein Rennen abgebrochen habe“, sagte er anschliessend entschlossen. „Ich bin kein Kerl, der aufgibt.“ 

 

Das warme Herz Malawis

Es ist dieser Geist, sein gewinnendes Lächeln und seine unbändige, positive Einstellung, die Edson zu einem so geschätzten Mitglied der Ultra-Running-Community gemacht haben. Es geht nicht anders: Man muss diesen Kerl einfach gern haben. Sein freundliches Wesen, sein offensichtliches Talent für Langdistanzen und seine einzigartige Geschichte – es ist diese Kombination, die dazu geführt hat, dass Edson inzwischen Freunde auf der ganzen Welt hat. Dieses Netzwerk hat die finanziellen Mittel mobilisiert, die es ihm heute ermöglichen, an internationalen Rennen teilzunehmen und eine Startnummer zu bekommen.

 

Dank der Unterstützung von Marcus Smith, einem Freund von On und Gründer der Gesundheits- und Performance-Firma Inner Fight, konnte Edson an der Ultra X Marathon-Serie teilnehmen und holte im April 2019 den zweiten Platz in Sri Lanka. Noch in diesem Jahr wird er im Rahmen der gleichen Serie in der Wüste Jordaniens sowie in Chihuahua, Mexiko, starten. Dies wird Kumwamba’s erste Reise nach Amerika sein.  

 

Edsons Dankbarkeit ist enorm und der Grund, weshalb ihn andere noch so gern unterstützen. Beim letztjährigen Marathon du Mont Blanc lobten ihn die Organisatoren als den „glücklichsten Finisher der gesamten Veranstaltung“. Auch nach 90 Kilometern durch anspruchsvollstes Terrain liess es sich Kumwamba nicht nehmen, auf seine Fans im Zielgelände einzugehen und ihnen für den Support zu danken.

 

„Die Fans waren so lange da draussen und warteten, um uns im Ziel Respekt zu zollen und um uns klar zu machen, dass wir keine Verrückten sind. Ich gebe ihnen meinen Respekt in Form von Dankbarkeit zurück. Das ist etwas Spirituelles. Das ist die Trail Running Community und für mich ist sie wie eine Familie.“

 

Edson schliesst den Marathon du Mont Blanc 2019 mit seinem typischen Lächeln ab

 

Dass sich Edson durch seine aufreibenden Rennen lächelt, unterstreicht den Unterschied zwischen Elite-Ultra-Läufen und Elite-Strassenrennen. Während Edson einer der ganz wenigen afrikanischen Läufer ist, die an Bergrennen teilnehmen, werden Strassenrennen auf der ganzen Welt von Kenianern und Äthiopiern angeführt. Auf die Frage, warum er sich gegen die Strassenrennen und fürs Trail Running entschieden hat, verweist er auf den gemeinschaftlichen Charakter der Trail-Szene, der diese Disziplin so einzigartig macht.

 

„Beim Strassenlauf geht es immer nur um Zeit und Geschwindigkeit. Beim Trail Running ist das Ziel, die Ziellinie zu erreichen. Es gibt zwar einen Wettbewerb, aber es ist ein freundlicher. Wir helfen uns gegenseitig.“

 

Siegen ist zwar schön, doch Edsons höchster Anspruch ist es, anderen zu helfen. Er hofft, dass seine Erfahrungen und seine Geschichte junge Menschen in seiner Heimat Malawi inspirieren. Dagegen gehört es nicht zu Kumwamba’s Träumen, sich den elitären Trail Running Communities in Orten wie Chamonix, Frankreich oder Boulder im US-Bundesstaat Colorado anzuschliessen.

 

„Ich bin glücklich, in Malawi zu leben. Ich möchte das Leben der Gemeinde in Malawi verändern. Wenn ich weit weg bin, kann ich die Kinder und Jugendlichen vor Ort nicht inspirieren. Dann würden sie zu mir sagen, dass ich all das nur tue, um in wohlhabenden Ländern zu leben.“

 

Edsons Wunsch, Bewegung und gesunde Ernährung im Land zu fördern, wurde noch verstärkt, als er im Training auf Läufer der Orbis Challenge 2018 traf. Gegründet vom britischen Ehepaar Dom und Kate Webb, will der Wettbewerb den Teilnehmern nicht nur anspruchsvolle Trail-Läufe in der abwechslungsreichen Landschaft Malawis ermöglichen, sondern auch die Herausforderungen, mit denen sich das afrikanische Land und seine Kinder konfrontiert sehen, vermitteln.

 

Laut UNICEF sind 23% aller Fälle von Kindersterblichkeit in Malawi auf Unterernährung zurückzuführen, während 37% der Kinder unterentwickelt und zu klein für ihr Alter sind. Unter dem Motto „sport with a purpose“ sammelt die Orbis Challenge Spenden, um die Unterernährung bei Kindern in Malawi zu bekämpfen. Edson gehört zu den lokalen Guides bei der Veranstaltung und freut sich darauf, anderen die Strecken zu zeigen, die er seit seiner Kindheit läuft.

 

„Wenn sie [die Teilnehmer der Orbis Challenge] in mein Land kommen, erhalten sie nicht nur eine aufregende Lauf-Challenge, sondern erfahren viel über den Mulanje, mein Dorf und die Menschen in Malawi. Sie werden die Wärme spüren, mit der wir auf die Leute zugehen und ich bin sicher, viele von ihnen werden wiederkommen wollen.“

 

Die Freundlichkeit seiner Bewohner hat Malawi den Übernamen „das warme Herz Afrikas“ eingebracht. Und Edson Kumwamba als freiwilliger internationalen Botschafter wird diesen Ruf weiter stärken.

 

Auch in diesem Jahr konnte Edson nach dem Marathon du Mont Blanc nur kurz in Europa verweilen. Vom On-Büro fuhr er direkt zum Flughafen, damit er für den Porter's Race 2019 zurück in Mulanje sein konnte. Nur einen einzigen Tag war er bei uns, doch sein Abschied machte uns schon nach dieser kurzen Zeit äusserst traurig.

 

Nur wenige Tage nach seinem Besuch bei uns, bestritt Edson zusammen mit seinem Freund Marcus Smith den Porter's Race. Während Marcus seinem Kumpel Edson eine Startnummer beim Marathon du Mont Blanc verschaffte, konnte sich Edson im Malawi revanchieren und Marcus an den Start einladen.

 

Zurück auf dem Mulanje holte Edson den achten Rang in der Gesamtwertung. Aber genau wie damals, als er als Neunjähriger die Strecke zum ersten Mal lief, rannte er sie nicht, um sich mit anderen zu messen. Für ihn geht es bei diesem Rennen um viel mehr als um den Sieg. Es symbolisiert den Beginn einer Reise, von der er hofft, dass sie anderen in Malawi – insbesondere denen, die weniger Glück hatten wie er – ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ein Lächeln, wie es Edson Kumwamba hat.

 

Zum Glück hat Edson guten Grund zu lachen. Die Prophezeiung seiner Mutter hat sich erfüllt. Doch seine Geschichte beginnt gerade erst.

 

Möchtest du mit Edson zusammen rennen und seine Geschichte aus erster Hand erfahren? Für die Orbis Challenge 2019, die vom 5. bis 12. Oktober stattfindet, gibt es noch eine beschränkte Anzahl Plätze. Unter den Teilnehmern wird auch die zweimalige Olympiasiegerin und Orbis-Challenge-Botschafterin Dame Kelly Holmes sein. Für weitere Informationen und um dich anzumelden, klicke jetzt auf orbischallenge.com. Für Updates und Stories folge uns unter on-running.com und auf Instagram

 

Der Cloudventure
Edson's Schuh für den Marathon du Mont Blanc: „Ich mag diesen Schuh, weil er sehr leicht ist. Gerade wenn man lange Strecken läuft, braucht man diese Art von Dämpfung. Ausserdem hat der Schuh auf der Vorderseite einen harten Schutz. Der ist grossartig, um die Steine wegzutreten, wenn die Beine müde werden.“
Zum Schuh

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