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Konzentriert bleiben: Wie sich Profisportler anpassen

Es sind herausfordernde Zeiten – für alle von uns und auch für die Athleten des On Teams. Solche Herausforderungen sind Athleten jedoch gewohnt. Wir haben bei ihnen nachgefragt, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen.

  

Was aktuell passiert, stellt uns alle vor grosse Herausforderungen. Wettkämpfe sind abgesagt oder es ist unklar, ob und wann sie stattfinden werden. Das betrifft dich und auch die Profi-Athleten. Wir haben uns bei den On Elite-Athleten erkundigt, wie es ihnen geht und wie sie in dieser herausfordernden Zeit positiv bleiben.

    
 

Rachel Cliff, Marathonläuferin 

  

«Ich kenne niemanden, für den das Coronavirus keine Auswirkungen hat. Es betrifft das Leben und die Pläne von uns allen. Für mich ging es am 17. Februar damit los, dass es hiess, der Massenstart des Tokio-Marathons sei abgesagt. Wir haben Planänderungen vorgenommen, aber auch diese mussten wir aufgrund von Absagen bald wieder über Bord werfen.


 

Anfangs war mir nicht klar, wie ernst die Lage eigentlich ist. Aber als sich das Virus immer mehr ausbreitete, habe ich schnell verstanden, wie wichtig die Absagen sind, um die Sicherheit aller zu gewährleisten.

 

Ich habe mich etwa zwei Wochen lang zurückgelehnt und den Reset-Knopf gedrückt – ich glaube, das war wichtig. Natürlich bin ich traurig, dass ich nicht bei Wettkämpfen antreten kann, gerade in einem so spannenden Jahr wie diesem. Aber ich versuche, zu einem neuen Gefühl der Normalität zu finden und mich auf meine eigenen Ziele zu konzentrieren. Ich musste mich schon anpassen. Das Krafttraining im Fitnessstudio zum Beispiel ist im Moment sicherlich nicht optimal.

 

Aber ich versuche einfach, wichtige Übungen zu Hause zu machen, um das zu kompensieren. Ich versuche, mich am Training zu erfreuen und bewusst zu geniessen, wie ich meinen Körper beim Workout fordere – auch wenn ich selbst noch nicht genau weiss, für welches Ziel ich mich überhaupt vorbereite.

  

Ich mache mir immer wieder bewusst, wie wichtig persönliche Distanz ist, damit wir niemanden gefährden und um unser Gesundheitssystem bestmöglich zu entlasten. Ich bin stolz darauf, dass ich meinen Beitrag leisten kann und ich vertraue darauf, dass sich irgendwann wieder eine Wettkampfmöglichkeit ergeben wird. 

 

Das Wunderbare am Laufsport ist, wie anpassungsfähig und unabhängig er ist. Für mich war es schon immer eine Wohltat, vor die Tür zu gehen und zu laufen. Jetzt gerade weiss ich die Zeit, die ich auf dem Trail verbringe, wirklich zu schätzen. Aber selbst, wenn man drinnen bleiben muss, kann man sich Ziele für die Fitness setzen. Es geht einfach darum, die Grenzen des eigenen Körpers herauszufordern. Wer gesund ist, kann das auch weiterhin tun. Man muss nur ein bisschen kreativ sein. Ich rufe mir immer wieder in Erinnerung, was für ein Riesenglück ich habe, eine Sportlerin zu sein.»

Bart Aernouts, Ironman-Triathlet

   

«Derzeit bin ich im Trainingslager auf Lanzarote. Wir hatten ziemliches Glück bisher und ich konnte all meine Trainingseinheiten wie geplant absolvieren. Das kann sich natürlich jeden Moment ändern.


Mein nächster Wettkampf, der 70.3 Oceanside in Kalifornien, wurde abgesagt. Entsprechend haben sich auch meine Trainingspläne geändert. Es ist nicht leicht, denn wir haben keine Ahnung, was in den nächsten Monaten passieren wird. Mein Hauptziel besteht darin, fit zu bleiben. Ich warte ab, wie sich die Lage entwickelt – in der Hoffnung, bald wieder planen zu können.  

 

Dank meines Sieges in Dubai weiss ich, dass ich ziemlich gut in Form bin. Ich versuche einfach, motiviert zu bleiben und weiter zu trainieren, damit das auch so bleibt. Abgesehen davon bin ich glücklich, dass ich gesund bin. Ich denke mir immer, es gibt Schlimmeres, als meine Wettkampf- und Trainingspläne ändern zu müssen.»   

Chris Thompson, Langstreckenläufer

 

«Es ist schon frustrierend, wenn man für Wettkämpfe trainiert, die bereits verschoben wurden oder möglicherweise noch verschoben werden. Da ist es ganz natürlich, anfangs enttäuscht zu sein und das Gefühl zu haben, dass das Training für nichts war. Aber gleichzeitig ist das eine gute Gelegenheit, um uns wieder einmal klar zu machen, weshalb wir überhaupt laufen: Wir bleiben fit und gesund. 
 

Ja, es ist schon so, dass wir gerne Ziele haben, an denen wir unsere Fortschritte messen können. Jeder träumt von einer tollen persönlichen Bestzeit oder davon, ein bedeutendes Ziel zu erreichen. Aber was diesem Sport zugrunde liegt, ist ein gesunder Lebensstil und gute Gewohnheiten. Das war noch nie so wichtig wie jetzt. Indem man seine Fähigkeiten weiterhin trainiert und weiter seine Routine hält, geht man mit gutem Beispiel voran. Jetzt wird uns auch bewusst, wie viel Positives wir manchmal einfach als gegeben hinnehmen: Fit und gesund zu sein und ein starkes Immunsystem zu haben, welches alles abwehren kann.
 

Es hat definitiv sein Gutes, sich in diesen Zeiten wieder auf die Grundlagen eines guten Trainingsplans zu konzentrieren. So bleiben wir motiviert und wenn es mit den Wettkämpfen wieder losgeht, sind wir hoffentlich besser vorbereitet als je zuvor.

 

Wir alle haben das Zeug dazu, positiv zu denken. Um diese positive Einstellung zu finden, reicht es häufig, wenn wir Abstand nehmen und versuchen, den ‹Lärm› um uns zu reduzieren.

 

Eine gute Möglichkeit, das zu tun, besteht darin, zu kontrollieren, was man kontrollieren kann. Oft lassen wir zu, dass uns äussere Einflüsse, über die wir keinerlei Kontrolle haben, überfordern und entmutigen. Ich denke lieber über die Dinge nach, die ich selbst tun kann, um meine Situation zu verbessern oder zu vereinfachen. Darauf konzentriere ich mich dann. Ausserdem versuche ich, nicht zu viele Bälle gleichzeitig zu jonglieren – ich gehe eine Sache nach der anderen an, Stück für Stück. Das hilft mir, die Kontrolle zu behalten. So bahne ich mir einen Weg durch schwierige Zeiten und finde immer wieder auf einen positiven Kurs. 


Diese kleinen Gewohnheiten helfen mir, eine möglichst positive Einstellung zu bewahren. Dadurch kann ich wiederum sofort eine positive Reaktion abrufen – gerade auch in besonders stressigen und emotionalen Situationen wie bei einem Wettkampf. Für diese Momente habe ich einige natürliche Bewältigungsmechanismen entwickelt, die mir helfen, den Druck aufrechtzuerhalten.»

Alicja Konieczek, Hindernisläuferin

«In Bezug auf die Wettkampfsituation sind die Zeiten gerade wirklich schwierig. Anfangs war ich sehr enttäuscht und untröstlich. Als ich erfuhr, dass die NCAA (die US-amerikanische National Collegiate Athletic Association) alle Events absagt, hat mich das natürlich sehr betroffen gemacht. Schliesslich wollte ich zum Saisonstart an einigen der anspruchsvolleren Wettkämpfe teilnehmen. 

 

Mein Training geht normal weiter. Ich wollte Anfang Mai eigentlich eine schnelle Zeit laufen, aber angesichts dieser neuen Situation werde ich das Trainingsvolumen länger als geplant beibehalten und weiterhin längere, weniger intensive Workouts machen. 

 

Ich sage mir immer wieder: ‹So hast du mehr Zeit, um noch besser zu werden. › Das ist nun meine neue Motivation. Nur indem ich versuche, diese Situation als Chance zu begreifen, kann ich eine positive mentale Einstellung behalten.» 

 

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