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Sport with a Purpose – Wie Laufen in Malawi Leben verändert

Von Tansania fuhren wir auf der Ladefläche eines Pick-ups nach Malawi. Mit dabei waren rund 20 Malawier. Keiner von ihnen sprach Englisch, aber sie lächelten alle. Zusammen sangen wir Lieder und erlebten eine unglaubliche Ankunft in diesem herzlichen Land.

 

Von Kate Webb, Leiterin von Orbis Expeditions. Die Organisation hat sich auf Reisen durch Malawi spezialisiert, die einen starken Fokus auf Bildung, Philanthropie und Nachhaltigkeit legen. Unter dem Motto «Sport with a Purpose» – Sport mit einem Zweck – bietet die Orbis Trail Challenge Läufern die Gelegenheit, das unberührte, anspruchsvolle Gelände Malawis zu erkunden und gleichzeitig die Kultur des Landes kennenzulernen. Damit soll das afrikanische Land unterstütz werden. Das ist Kates Geschichte – von ihrer Ankunft mit nur einem Rucksack bis zu ihrem Lauf mit einer Olympiasiegerin in den Bergen Malawis. 


 

Wir hatten schon viele afrikanische Länder bereist, aber wir wollten uns in einem Land niederlassen, in dem es kaum Tourismus gab und in dem zwei 26-Jährige einen Unterschied machen konnten. Einen Ort, an dem man auch ohne viel Geld etwas bewirken kann. Malawi schien perfekt dafür. 

 

 

Malawi ist als das warme Herz Afrikas bekannt. Und das ist es wirklich. Die Menschen sind unglaublich freundlich. Trotzdem war es auch eine beängstigende Erfahrung, mit nur zwei Rucksäcken bepackt in diesem Land anzukommen. Wir hatten das Ziel, ein Unternehmen aufzubauen und es war nicht allzu schwierig einige Malawier zu finden, die uns dabei unterstützen. Wir fingen an zusammen zu arbeiten. Und sie waren auch unsere Guides. Sie stellten uns Gemeinschaften vor, mit denen wir auch noch 11 Jahre später zusammenarbeiten sollten. Diese Menschen haben uns sehr inspiriert, weil sie von Anfang an entschlossen waren, das Heft selbst in die Hand zu nehmen, anstatt sich auf die Hilfe von aussen zu verlassen.


 

Wir fokussierten auf Handel, nicht auf Hilfe. Deshalb konnten wir Besucherinnen und Besuchern immer eine authentische Erfahrung, ausserhalb des gängigen Touristenprogramms, anbieten. Afrika hat schliesslich so viel mehr zu bieten als Safaris. Malawi verfügt vielleicht nicht über die Tierwelt Kenias oder Südafrikas oder die Ausstrahlung des grossen Grabenbruchs, aber die Landschaft ist atemberaubend schön und unberührt und die Kultur hier sucht seinesgleichen. Malawi ist ein friedliches und gastfreundliches Land. Trotzdem weiss man nie, was einem hier erwartet. Hier findet man das wahre Abenteuer. 


 

Nach sieben Jahre hatte sich unser Unternehmen in Malawi etabliert und wir gründeten im Vereinigten Königreich die Orbis Expeditions. Denn in der Zwischenzeit hatten wir ein Verständnis für die Kultur Malawis entwickelt und gesehen, wie man das Land authentisch bereisen kann. Und vor allem verstanden wir, was für eine prägende Erfahrung das sein konnte. Vor Ort hatten wir ein grossartiges Team aufgebaut, dass wir es uns erlauben konnten, nach England zurückzukehren, um näher bei unseren Familien zu sein und unsere eigene zu gründen. Unser Ziel war es immer, die Gemeinschaft vor Ort nachhaltig zu stärken. Damit haben wir längst nicht abgeschlossen. Es gibt immer neue Gelegenheiten, andere für die Schönheit Malawis zu begeistern und gleichzeitig die einheimische Bevölkerung zu unterstützen. 

 


Die Macht des Sports


So ist auch die Orbis Challenge entstanden. Wir sprachen mit Dame Kelly Holmes (zweifache britische Olympiasiegerin im Mittelstreckenlauf). Ihr Wunsch, die Umgebung als Sportlerin zu erleben, brachte uns auf die Idee, mittels Sport noch tiefer in das Land einzutauchen und den Sport mit einem Zweck zu verknüpfen.


 

Das gab uns die Gelegenheit, Malawi und sein Volk auch den Sportbegeisterten näherzubringen, die sonst vielleicht nicht hierhin reisen würden. Sie haben die seltene Chance, unberührte Trails an der Seite bekannter Grössen wie Dame Kelly Holmes erlaufen zu können. 


 

Diese Herausforderung ist nicht zu unterschätzen. Das weiss sogar Kelly. Auch sie als zweifache Goldmedaillengewinnerin kam hier an ihre Grenzen. 



Eigentlich sind das hier auch gar keine richtigen Trails, sondern Pfade, auf denen noch nie jemand gelaufen ist. Sie stammen von Tieren oder von Dorfbewohnern, die beispielsweise Holz sammeln. Das ist das wahre Malawi – rau und unberechenbar.


 

Ortskenntnisse sind in diesem Terrain unabdingbar. Das ist einer der Gründe, weshalb Einheimische als Guides an der Challenge mithelfen. Läufer wie Ultrarunner Edson Kumwamba sind mit Bergziegen vergleichbar: Sie springen los – ganz einfach über Stock und Stein. Sie sind hier aufgewachsen und wissen, worauf es ankommt. Die Challenge-Teilnehmer können die Strecke am Mount Mulanje in 3 Stunden und 45 Minuten abschliessen. Edson und die anderen brauchen dafür nur etwa halb so lange. 


 

Während der Challenge 2019 trainierten die einheimischen Sportler ausserdem für den Blantyre Marathon. Tagsüber sind sie mit uns gelaufen und als wir alle vollkommen erschöpft waren, haben sie noch ein paar zusätzliche Kilometer absolviert. Es ist aber nicht nur ihre Leistung, die inspirierend ist. Wenn man mit ihnen läuft, hört man ihre Geschichten und erfährt, wie sie die Herausforderungen überwunden haben, denen sie sich stellen mussten. Es sind weniger die körperlichen Leistungen oder spektakuläre Sonnenuntergänge, welche die Zeit hier so unvergesslich macht, sondern die zwischenmenschlichen Begegnungen.


 

Insgesamt liefen 24 Malawier beim Event mit. Dann gab es noch viele mehr als Teil der Support-Crew: Von den Guides, über die Leute an den Erfrischungsstationen bis hin zu denen, die ihre Unterkünfte bereitstellten. Sie alle profitieren wirtschaftlich direkt vom Event und dem Tourismus, der er ins Land bringt.

 


Die grössere Herausforderung


Eine der grössten Herausforderungen, mit denen sich Malawi konfrontiert sieht, ist die Abhängigkeit von Hilfe aus dem Ausland. Nur wenn man dort ansetzt, kann man Malawi langfristig stärken. Als Unternehmen ist geht es uns deshalb darum, die örtliche Wirtschaft anzukurbeln, lokale Unternehmen zu fördern und zu versuchen, Menschen zu mehr Einkommen zu verhelfen – und zwar nicht in Form von Hilfsgeldern, sondern weil sie sich ökonomisch engagieren. Der Spot bringt Menschen nach Malawi und diese wiederum unterstützen die lokale Wirtschaft und die örtlichen Initiativen.


 

Wir fördern bewusst auch nur bestehende Initiativen. Wir wollen nicht, dass sich Menschen, die dasselbe erreichen möchten, um Mittel streiten müssen. Wir entscheiden uns für eine Organisation mit einem spezifischen Anliegen und unterstützen diese dann über ein Jahr hinweg.


 

Im Jahr 2019 haben die Teilnehmer der Orbis Trail Challenge mehr als 22’000 Pfund für eine lokale Organisation gesammelt, die hilft, Mangelernährung bei Kindern in der Region zu bekämpfen. In diesem Jahr fokussieren wir uns auf die Wiederaufforstung und die Weiterbildung im Bereich Umwelt. Dafür wollen wir ein Bewusstsein schaffen und Mittel sammeln. Malawi ist eines der Länder, das die Auswirkungen des Klimawandels unmittelbar zu spüren bekommt. Deshalb wollen wir in diesem Bereich Aufklärungsarbeit leisten.


 

Die Teilnehmer sammeln die Mittel selbst und sehen auch gleich was das Geld bewirkt. Das ist sicher eine grosse Motivation, wenn sich die Läufer bei Hitze in den malawischen Bergen abmühen. Genau dann erinnern sie sich daran, warum sie das tun und was für ein Glück es ist, diese Gelegenheit zu haben.


 

Die Veranstaltung öffnet den Teilnehmern sicherlich die Augen für die anstehenden globalen Herausforderungen. Natürlich geht es darum, Geld zu sammeln. Aber es ist mehr als das. Sie lernen zu verstehen, dass es nicht allen Menschen gleich gut geht und mit diesem Bewusstsein und mit dem Wissen, dass sie einen positiven Beitrag leisten können, kehren sie nach Hause zurück. Darum geht es bei uns.


 

 

Die Orbis Trail Running Challenge 2020 findet vom 3. bis zum 10. Oktober statt. Du kannst dich noch bewerben. Alle Details und die Möglichkeit zur Bewerbung findest du unter orbis-challenge.com/running

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